Die Notbremse …

 

Die Notbremse …

 

Jette und Heidi haben beide die Kurve gekriegt. Nicht daß jetzt jemand denkt, sie wären irgendwelche Rennmietzen, die Selbstfindung betreiben, indem sie in aufgemotzten Blech-kisten durch irgendwelche Rallyes turnen. Das ist weit gefehlt.

Die beiden sind zwei schnuckelige, dralle Deerns in mittlerem Alter, die auch schon von weitem als solche zu erkennen sind. Bei ihnen hat alles seine ausgeprägte Form, und alles sitzt da, wo es hingehört. Sie zählen nicht zu den Weibsen, bei denen ein Mann erst die Stelle suchen muß, die ihm verrät, daß er es mit Frauen zu tun hat. Beileibe nicht – und das wissen sie auch.

Wie gesagt, sie haben die Kurve gekriegt in ein beschau-licheres Leben. Sie betreiben neuerdings eine andere Art der Selbstfindung.

Gemeinsam haben sie dem Alltagsstreß in den Hintern getreten. Der hat ganz schön unter dem Tritt gequiekt. Die beiden machen jetzt einfach vieles, was ihnen Spaß macht, und obendrein noch ihrem Körper, und ihrer Seele gut tut.

Samstags ist aus diesem Grunde auch immer Schwimmen angesagt. Davon lassen sie sich durch nichts, und von niemandem abhalten.

Selbst nicht von ihrem gutem Freund Klaus. Bevor sie an diesem Morgen mit ihm gemeinsam etwas unternehmen, muß er sich gedulden. Schwimmen steht bei den beiden vor alles.

Also, die Schwimmzeit ist da – rein ins große Becken, das warme Wasser geniessen, und sich richtig abgestrampelt.

Die männlichen Spezies um sie herum üben derweil den Stielaugenweitwurf. Man kann an ihren Badehosen förmlich sehen, wie sehr sie sich anstrengen, einen Wurf ins Ziel zu bringen.

Es sieht fast aus wie auf einem Campingplatz, auf dem viele Männeken sich damit abmühen, ihre Zeltstangen hochzu-kriegen. Heidi hat vor lauter Lachen eine Portion Badewasser verschluckt, als Jette den Vergleich loslässt.

Viel zu schnell ist die Zeit verstrichen. Selbst das Wasser im Schwimmbad ist traurig, als die beiden das Becken verlassen – es scheint plötzlich seine Lebendigkeit verloren zu haben.

Heidi und Jette huschen – ach was – sie schreiten zu ihren Liegen, um sich ihres Badezeugs zu entledigen. So viele Augenschmeicheleien muß Frau doch geniessen.

Gerade als sie mit dem Badetuch an sich herumrubbeln, steht Klaus plötzlich vor ihnen. „Wie schön, daß du da bist“ sagt Jette erfreut, und haucht ihm ein Küsschen auf die Wange. „Aber sieh dich vor – wir sind ganz naß“ läuft als Warnung für Klaus helle Beinkleider noch hinterher. Heidi, die ein stets waches Ohr für Jette, und ein noch wacheres Auge für die Entwicklung der anderen „kleinen Dinge“ um sich herum hat – fährt sofort bremsend dazwischen: „aber nur unter der Zunge, mein Lieber, nur unter der Zunge.“ © ee

 

 

 

 

 

 

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